Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV): Mit wem muss ein Betreuungsdienst einen schließen?
Cloud-Software, Buchhaltung, Telefonanlage — wo immer Klientendaten verarbeitet werden, braucht es einen AVV. Wann er Pflicht ist und was drinstehen muss.
Was ist ein AVV?
Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO regelt die Datenverarbeitung durch Dritte im Auftrag des Verantwortlichen (Sie). Sobald ein externer Dienstleister mit personenbezogenen Daten Ihrer Klienten oder Mitarbeiter in Berührung kommt, ist ein AVV Pflicht.

Mit wem brauchen Sie einen AVV?
Pflicht-Fälle
- Pflegesoftware-Anbieter (z.B. Alltagora, Medifox, snap)
- Cloud-Speicher (Dropbox, OneDrive, etc. — falls genutzt)
- Buchhaltungssoftware mit Klientendaten
- E-Mail-Anbieter, der Mails mit Klientendaten verarbeitet
- Newsletter-Tool (für Klienten/Angehörige)
- Telefonanlagen-Provider mit Aufzeichnung
KEIN AVV nötig
- Steuerberater oder Anwalt (eigenständige Verantwortliche, andere Rechtsgrundlage)
- Anbieter, die nur eigene Daten verarbeiten (z.B. allgemeine Bürosoftware ohne Klientenbezug)
Pflichtinhalte eines AVV
Art. 28 Abs. 3 DSGVO listet die Mindestinhalte:
- Gegenstand und Dauer der Verarbeitung
- Art und Zweck der Verarbeitung
- Art der personenbezogenen Daten
- Kategorien betroffener Personen
- Pflichten und Rechte des Verantwortlichen
- Weisungsbindung des Auftragsverarbeiters
- Vertraulichkeitsverpflichtung
- Technische und organisatorische Maßnahmen (TOM)
- Unterauftragsverhältnisse
- Unterstützung bei DSGVO-Anfragen (Art. 32-36)
- Lösch- oder Rückgabe-Pflicht
- Audit-Rechte
Praktische Umsetzung
Die meisten seriösen Anbieter haben fertige AVV-Vorlagen — Sie müssen oft nur prüfen und unterschreiben.
Was beim AVV-Check schiefgeht
- Veraltete Vorlagen (vor DSGVO-Anpassung 2018)
- Unklare TOMs (Technische und organisatorische Maßnahmen)
- Drittlandsübermittlung außerhalb EU/EWR ohne ausreichende Schutzgarantien
- Unterauftragnehmer ohne Listing
Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten
Zusätzlich zum AVV: Sie müssen ein eigenes Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 DSGVO führen. Darin: alle Datenverarbeitungen, Zweck, Rechtsgrundlage, Empfänger, Lösch-Fristen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Angaben ohne Gewähr. Mehr dazu im Haftungsausschluss.
Weitere Artikel
23. Juli 2026 · 7 Min.
Berufshaftpflicht für Betreuungsdienste: Pflicht, Höhe, Anbieter
Schaden im Klientenhaushalt, Sturz, Verletzung — wer haftet? Berufshaftpflicht ist für Betreuungsdienste praktisch unverzichtbar. Was Sie versichern müssen.
23. Juli 2026 · 7 Min.
Hygieneplan im ambulanten Betreuungsdienst: Pflichtinhalte und Praxis
Auch ambulante Betreuungsdienste brauchen einen Hygieneplan — auch wenn keine direkte Grundpflege erbracht wird. Was rein muss, was Lokalbehörden prüfen.